Große Frauen und Schriftstellerinnen aus Schleswig-Holstein - für euch gelesen und vorgestellt!
-> Schleswig-Holstein/ Norddeutsche Literatur
Lyrik
Anfang und Ende
Ich kleiner Mensch großen Ozean
von sanften Händen hingelegt
unter dieses unendliche Blau.
Ein kleiner Schubs von zarter Hand
so stolpere ich hinaus
auf einen holprigen Pfad.
Bis ich eines Tages zurückkehre
hierher ans Meer.
Und schlüpfe wie eine junge Schildkröte
wieder hinein.
Auf Reisen
Gern blick ich nachts auf fremde Straßen
schau, wie der Mond über Baumspitzen rollt
und sein Antlitz
in nachtblauen Pfützen betrachtet.
Lächelnd. Zufrieden.
Nichts bedeute ich dem fremden Zimmer
es umhüllt mich
ohne Lust und Widerwillen.
Und ich muss niemand sein.
Lächelnd. Zufrieden.
Im Regen
Und draußen auf der Straße
da laufen sie
Regentüten auf dem Kopf
die Füße in schlammigen Pfützen verloren
Schnell, schnell
nach Haus.
Bei einer Kanne Tee
die Schultern sinken lassen.
Ein Lächeln sitzt gegenüber.
Eisige Zeiten
Zaghaft über das singende Eis
Ein vorsichtiger Schritt
dann noch einer
Leise Gebete unter dem harten Frost
unverklungen, unerhört.
Die folgenden drei sind eine Auswahl von zehn Gedichten, die zwischen den Jahren 2005 und 2013 in den Ausgewählten Werken der Bibliothek Deutschsprachiger Gedichte und der Brentano-Gesellschaft Frankfurt/ M. veröffentlicht wurden.
All diese Jahre
All diese Jahre
in denen Sehnsucht im Feuer sich wand
zehntausendfach gestorben
unter einstürzenden Sternendächern.
All diese Nächte
im Sturm verzweifelter Träume
immer am Abgrund
immer auf nassen Straßen
die ihr Ende suchten.
All diese Zeit
die vor mir flieht
die Götter strafen uns
mit Vergangenem und Verlorenen.
Dein Antlitz löst sich
mit der Morgensonne auf.
Schenke mir Dunkelheit.
Wanderer
So wandere ich durch deine dunklen Nächte,
entzünde Feuerberge an deinen Ufern
undurchdringlicher Finsternis.
Schweige, lausche in banger Erwartung
auf den fortspülenden Rhythmus deiner Hingabe.
Leise lecken schäumende Wellen
am rauen Sand,
unmerklich wird Stück für Stück hinfort getragen.
Sanft, nachdrücklich, gnadenlos
verwischt das Meer die Konturen des Seins.
Nimm mich auf in dir;
von deinen Händen tropft weiches Vergessen.
Schon löst sich meine Sohle vom festen Grund;
das Wasser trägt, wenn es keinen Widerstand spürt.
Schwitzende Nächte umflüstern
greiser Eichen Rinde.
Das braunrote Blatt spürt noch
den Kuss den Morgentaus,
schwankt im Atem der späten Winde
bevor es sich löst aus unruhigen Träumen.
Zwischen bleichen Stämmen hervor
stürzt ein Echo, verliert sich im
treibenden Blätterschwarm.
Beharrlich wuchert die Zeit über
grauer Felsen Stille.
Es soll ein Fest sein für mich, die ich nun endlich Eigentümerin meines eigenen Lebens bin. Ein Fest für mein Haus, das eine neue Charlotte beherbergt. Ein Fest für neue Freunde, die ich hier gefunden habe. Und ein Fest für dich, vor allen Dingen.
Charlotte in "Die Philosophie der Deichschweine"
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